17.10.12, 10:50:00

Twilightzone zwischen Wald und Weinviertel


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Tags: Reiseführer, Touristguide, Waldviertel, Weinviertel, HC Artmann, Freddy Quinn, Hermes Phettberg, Sigi Maron, Christiane Hörbiger
Liebe Menschen meine Freunde,
in den unendlichen Weiten der Steppen zwischen Wien und Strasshof und dem traurigen Rest der Galaxis, hier bin ich wieder. Leider bin ich ein bisserl stier oder wie man in den unendlichen Öden in der Steppe von Lindau bis Frankfurt an der Oder sagt, etwas klamm.
Drum bin ich wieder, wie schon so oft auf der Suche nach einem neuen Sponsor, nachdem ich alle vorigen aus den verschiedensten Gründen am Weg des zynischen Menschenfreundes zum Glück verloren habe: Die Deutsche Telekom, die Europäische Kommission, den Spiegel, die Hürrieyet, das Kreamatorium und Fremdenverkehrsbüro der Gemeinde Wien, die DDR, und zum Schluss sogar die Ottakringer Brauerei in Wien. All die haben in den vergangenen 4 Jahren meinen Suchtmittelbedarf von Nikotin über Internet bis Slibowitz eine zeitlang mitfinanziert... Den letzteren von der Brauerei war meine Leser- und Hörerschaft, also ihr, als Zielgruppe dann doch einen Tick zu orindär.
Drum habe ich jetzt einen Vertrag mit der vereinigten Tourismusinitiative Grenzland Wald/Weinviertel geschlossen und mit ihnen eine neue Werbestrategie erarbeitet. Warum gerade mit denen?
Ihr liebe Zuhörer und Leser habt wieder in den vorangegangenen Sendungen nicht aufgepasst:
Ich habe einen der schönsten Teile meiner Kindheit, wenn man einmal vielleicht vom Schuleschwänzen an der Alten Donau am Gänsehäufel im FKK Bereich absieht, an der Grenze zwischen Wald- und Weinviertel, hart an der Grenze nicht nur des guten Geschmackes, sondern auch der Alpenrepublik zu Mähren am Bauernhof bei Tante Hedi und Onkel Hansi verbracht, die ich hiermit genauso herzlich grüße wie meine Cousine Herta und meine Cousin Hansi und den Strupp, meinen hiesigen Spezzl.
Da lag mein jetziges soziales und marktwirtschaftliches Engagement für die Heimat meiner Urahnen doch wirklich nahe. Und nein, ich stamme entgegen dem oberflächlichen Eindruck nicht von den Orang Utans auf Bali ab und auch nicht den Neandertaler.
Leider geht es dieser Region nicht sehr gut, Grenzland eben, grenzwertig in jeder Hinsicht.
Das liegt auch an den völlig dilettantischen Marketingstrategien meiner Vorgänger im Tourismusverein.
Einen Nationalpark hat man dort errichtet, wie kann man auf so eine andepperte Idee kommen? Jetzt kann man dort nicht einmal mehr fischen und Schwammerl suchen. Die größte touristische Attraktion am Tatort meiner Kindheit, ist eine von mir als Geocache ausgesetzte Waschpulverdose. Die hat in den letzten vier Jahren, sage und schreibe 571 Besucher angelockt; wie die Scheiße die Fliegen. Das ist nicht viel, meint ihr? Naja, immerhin fünf mal mehr als die dort verbliebenen Ureinwohner, wenn man die Wildsäue einmal nicht mitrechnet. Die 571 haben sicher hunderttausende Euro in die blühende Landschaft gebracht. Und wenn sie das nicht getan haben, liegt das nicht an mir. Weil irgendwie ist es bei uns recht preisgünstig. Man wird sein Geld eigentlich gar nicht los. Es gibt keinen Greisler, keine Tankstelle, keinen Wirten. Nicht einmal einen Kaugummiautomaten, und mangels öffentlicher Toiletten auch keine Luftballonautomaten und keine Kirche mit Opferstock. Höchstens am Kronenzeitungsstandl kann man am Tag des Herren etwas spenden, wenn man unbedingt will.
Das interessanteste, was in Wikipedia über die Gemeinde meiner sinistren Urahnen steht, ist:
Der Dorferneuerungsverein hat den Dorfplatz neu gestaltet: Wo früher nur die Kreuzung war, sind heute ein paar Parkplätze. Einige Blumenbeete verschönern den Platz. Es wurde eine Krähenstatue aufgestellt (die Mallersbacher werden als 'Krähen' bezeichnet, [zB] die Riegersburger als Frösche).
Es steht ja nicht einmal in Wikipedia, dass man die Ureinwohner meiner eigenen Katastralgemeinde Kletzndirra – Birnentrockner - nennt und dass Freddy Quinn a Krot, also eine Kröte, ist.
Dass in der Wikipedia nicht steht, dass der Justizsprecher der ÖVP seine Villa bei uns im Ort stehen hat, kann ich allerdings gur verstehen. Das wär der ultimative Imagegau, übelste Rufschädigung. Der Justizsprecher ein Kletzndirra, ja wo kämen wir dahin.
Und dann diese blödsinnige, kitschige Trottelsendung, Julia eine eigenartige Frau oder so in Retz. Wer bitte steht auf so was? Banalisiert vollkommen die Abgründe, die sich bei uns in den Seelen auftun. Und wenn wundert's, wenn alle Piefke nur nach Wien fahren, zur Mutzenbacherin. Ich hätt Russ Meyer als Regisseur engagiert, und Pamela Anderson als Hauptdarstellerin und das Remake von „Die Supervixen-Bademeisterin im Waldfreibad Hardegg am Marterpfahl der Thaytalindiander“ gedreht. Mit sowas lockt man die Touristen, und nicht mit der affektierten Mitsiebzigerin Hörbiger.
Nein, ich habe diese Gegend ganz anders erlebt als die Julia die Rehlein im Nationalpark. Ich könnt Euch Geschichten erzählen, was sag ich Euch: Vom schwarzen Mann, von umtriebigen Geistlichen, vom Drud , von gliatatn Öfn im Gmesl, vom eisigen Wind, der über einen der Richtplätze weht, an denen man den Räuberhauptmann Grasl angeblich aufghängt hat, der Herr sei seiner Seele gnädig. Nein, ich setzt jetzt auf ein ganz anderes Imädsch, mehr so auf Jurrassic Parc.
Ich werd' Euch, was erzählen von satanischen Riten und orgiastischen Besäufnissen auf Truppenübungsplätzen, unter denen die Gebeine der Urahnen des Satans ruhen, erhängten Wiedergängern, jaulenden ambiguen Mannsbildern und Jungen, die der Klapautermann von La Paloma Ade bis nach St. Pauli getrieben hat, und dennoch kamen sie immer bald wieder, und sei's im Radio oder Fernsehen, es gab kein Entkommen vor ihnen.
In 100m tiefen Burgbrunnen merkischer Raubritter, die den Landstrich über Jahrhunderte abwechselnd verödeten und verwüsteten, fand man die Skelette von Krieger der Aeronautica des Dux in ihren blauen Uniformen, unter den runenbesetzten schwarzen Uniformen, derer die sie dort hinunter in den Hades gestossen hatten und die fürderhin lieber nackt als Untote durch die Gegend liefen und alte Weiber im Wald erschreckten.
Vom Himmel gefallene polnischen Agrarflugzeuge, die noch im letzten Moment von eisernen Riesenvögeln des Imperium des Bösens heim- und vom Firmament geholt wurden und in unseren Feldern verglühten, nur hundert Meter vom Ende der Welt.Und wenn wir in der Nacht Minen in die Luft gehen hörten, und Maschinengewehrfeuer, suchten wir Kinder am nächsten Morgen das Blut auf den Steinen am Ufer und fanden es, ebenso wie die Schleifspuren der Getroffenenen und Dahingerafften zurück über den Fluss.
Und unter jurassischem Granit ruht der methanschwangere Atem des Satans in geologischen Zwischenspeichern, den die OMV über Pipelines aus dem fernen Sibirien hier unmerklich einsickern lässt. Der Geruch der Unterwelt liegt über der nebligen, nasskalten Landschaft.
Kein Wunder, dass bei uns schon die zu Puppen faschierten, pardon, gefaschten Säuglinge in der Wiege ununterbrochen von herzzerreißenden Wein- und Schreikrämpfen geschüttelt werden. Zur Beruhigung füllen wir ihre leinernen Schnuller mit der Frucht, die im sonst trostlosen Frühling nicht nur meine Heimat mal rot dann wieder weiß und schließlich wieder rot erblühen lässt, sondern auch den Hindukusch, so was nennt man bei uns Mohnzuzz.
Der frühe Einsatz bewußtseinserweiternder Naturheilmittel hinterlässt in der Bevölkerung dieses Landstrichs und ihren Nachfahren seine unübersehbaren und tiefen Spuren. Ihr zum Beispiel seht es an mir. Und ich bin nicht einmal der schlimmste. Die beste aller Ehefrauen, nämlich meine, hat sich schon an meinen heftigen Haarwuchs und meine wölfischen Gesänge, einmal im Monat, bei Vollmond gewöhnt. Sie findet das auch nicht schlimmer als die Haare in meiner Nase und das Schmalz in meinen Ohren, die ich das ganze Jahr aufweise. Da regt sie sich schon eher über meine dreckigen Socken im Wohnzimmer auf.
Wie gesagt es gibt schlimmere als mich. Schon ein prominenter Großonkel von mir, der seine blutrünstige Tätigkeit als Blauboad zwischen Breitensee und dem Brodastean mit ana schwoazzn dintn akribisch dokumentierte, „heit brenn ma d´keazzaln im bumpadn bluad“, hat seinen Wurzeln im methanschwangeren Urgestein dieser Einöde.
Und selbst er wird übertroffen. Zum Beispiel von einem Hermesphroditischen Phettberg, dessen Wiege hier in der Nähe stand und der im Hauptabendprogramm des ORF vorgibt Nette Leit in seiner Show mit Eierlikör zu bewirteten, sich aber in seinem Doppelleben vor gut besuchten Baumärkten am Parkplatz vor den Augen unschuldiger Familien anketten und und von schönen Jünglingen auspeitschen lässt und dabei satanische Verse vorträgt, und Nationalheilige wie den echten Wiener Heinz Conrads verunglimpft.
Und was ist mit dem schlimmsten Querulanten seit Thomas Bernhard und Helmuth Qualtinger aus dem nahegelegenen, aber teuflischen Gneixendorf, der seine Mizzitant schon seit Jahrzehnten hinrichtet und als Hausmeister überhaupt kein Herz für Kinder hat?
Aber der schlimmsten von allen ist wie gesagt der heulende Wehrwolf aus Niederfladnitz, La Paloma Ade............
Ja, gegen uns ist Transylvanien mit seinen lächerlichen Flugsäugern ein Witz oder wie Qualtinger in den 60ern zu Spanien mit seinen Stierkämpfen und seinem Gaudillo gesagt hat “ Der Malaga is ka Heuriger ... und die Regierung? A Diktatur! Aber nix gegen 'n Hitler! Die Stierkämpf' a matte Sache ... Simmering-Kapfenberg, das nenn i Brutalität ...“
  Ja und auch Wald- und Weinviertel, das ist Brutalität.
In diesem Sinne möchte ich diese Werbesendung im Stile des bei meiner Mutter und bei der besten aller Ehefrauen, nämlich meiner, sehr beliebten Reisepodcast Geospecial, bzw. Land und Leute auch mit den Worten des literarischen Titanen der Hauptstadt beenden:
„Oissa waun mi des Reisebüro ned veamiddeld hädd, i wa nia duat higfoan“
Und wenn ihr mich jetzt fragt :
„Was lassen Sie sich denn dann immer vom Reisebüro vermitteln?“
Sag ich Euch dasselbe wie der Travinecek:
Was soll i denn machen? I bin der Chef!
iSo wie es aussieht, bin ich allerdings von gar nix mehr der Chef hier, und wenn ich die Geste des Regisseurs, einen sich drehenden Zeigefinger an der Stirn, richtig deute, muss ich mich schon wieder um einen neuen Sponsor umschauen.

irgendwer
Kommentare (7)



RSS Kommentare

  • Georg Kreuzzitiert
    November 14, 2010, 12:50
    sehr gut!
    Ohne Bildbeilagen ist es nicht so langweilig .... f a s t lesenswert (y. know, I´m a fastreader) aber zu spät, jetz hab ichs schon mitsamt den Bildern gelesen.
    So schlecht sind sie eh nicht, nur die Schamhaare von den zwei models solltest noch überarbeiten ..... eventuell rasieren.

    Ich soll das Waldviertel verklärt haben. So so. Gestillt habe ich es, sonst gar nix.

  • Georg Kreuzzitiert
    November 14, 2010, 12:51
    sehr gut!
    Ohne Bildbeilagen ist es nicht so langweilig .... f a s t lesenswert (y. know, I´m a fastreader)
    aber zu spät, jetz hab ichs schon mitsamt den Bildern gelesen.
    So schlecht sind sie eh nicht, nur die Schamhaare von den zwei models solltest noch überarbeiten ..... eventuell rasieren.

    Ich soll das Waldviertel verklärt haben. So so. Gestillt habe ich es, sonst gar nix.

    irgendwer hat folgendes Geschrieben.
    Ich hab Dich nur als Vorwand und Ausrede missbraucht. Die Nestbeschmutzung war mir ein zu tiefstinnerstes Bedürfnis. Bin halt noch nicht aus der anal fäkalen Phase heraussen. Irgendwie ist es noch geiler auf sein Kretzl oder Dorf zu schimpfen als auf sein Land, wie Bernhard. Man ändert damit nix, aber man fühlt sich anschliessend besser.
    Deinen Wunsch nach Stille versteh ich. Aber der Bezirk Hollabrunn aber auch Horn geht daran zugrunde. Die Situation ist am Kippen: in den nächsten Jahren werden viele Dörfer zu Geisterdörfern werden, weil es sich nicht mehr auszahlen wird, für die letzten zwei 90 jährigen Mohikaner, Strom, Wasser Telephon etc. in den Wald zu leiten. Die werden dann einfach zwangsumgesiedelt, ins Paradies euthanisiert.
    LG
    Harry
    ________________

    georg hat Folgendes geschrieben:
    Da vergeht mir allerdings das Gewitzel.
    Echt grauslich.
    Viel beklemmender als der Brunneninhalt 1945 .... da war ja Krieg.

    Jetzt ist auch Krieg.
    wischen den Menschen und dem schönsten Land der Welt. Oder dem zweitschönsten, denn für mich ist das schönste das Mühlviertel, wo ich große Teile meiner Kindheit verbracht habe - zwischen wenig Stille und viel Lärm (es ist ein lautes Land, das Mühlviertel )

    Das mit den sterbenden Dörfern klingt schmerzhaft.
    Aber sie sind immer schon gestorben und andere geboren worden.
    Wo ich mich herumtreibe, im Bezirk Gmünd nahe dem Nebelstein und dem phantastisch schönen Mandelstein ... dort gibts eine kleine Lichtung im Nadelwald, die "Moas", und von der Moas wird erzählt, dort, in etwa 800m Seehöhe, war vor Jahrhunderten ein Dorf.
    Das meiste haben ohnehin die Nadelbäume zurückerobert ... Himbeerstauden, Felsbrocken ... wenn man das Dorf finden wollte, müsste man graben.
    Denn alles, was besteht, ist wert dass es zugrunde geht, sagt der Teufel.


    irgendwer hat darauf geantwortet
    Du hast recht. Und ich hab mir auch überlegt diesen Teil in etwas drinnen zu lassen, was über weite Strecken, zumindest witzig gemeint war. Das trifft genauso auf die Todeszone ab 68 zu, die mir näher gehen weil ich sie selbst erlebt habe und nicht nur aus Erzählungen kannte.
    Aber ich wollte der Banalität des Dorferneuerungsvereins und der Wikipedianer was entgegensetzen. So idylilisch war und ist das Waldviertel nicht. Ich hab mich zurückgehalten auch mit Rücksicht auf Leute die noch leben. Man schnappt als Kind viele Geschichten auf, und man kann aus der SIcht des Kindes noch dazu aus zweiter Hand, keine historische Authenzität erwarten. Da gab´s viel was unter der Hand genuschelt wurde.
    Gelynchte polnische und ukrainische Zwangsarbeiter, die sich mit Bäuerinnen eingelassen hatten. Lokaler Widerstand gegen die Wehrmacht, ermordete deutsche Soldaten, nicht aus Widerstand gegen das Unrechtsregime, sondern nur damit die Front nur möglichst schnell über das Dorf rollt und ja nicht an gesprengten Brücken stehen bleibt. Familien, die aus Angst vor den Russen und das was sie den Zwangsarbeitern, und mit der Hilfe der Dorfbevölkerung jahrelang im Wald lebten.
    Die unerträglichen Geschichten, der deutschen Ostflüchtlinge, die sich im Dorf niedergelassen hatten, erschöpft liegen geblieben sind 100m nach der vor den Benesdekreten rettenden Grenze und dann blieben. Später die tschechischen aber auch polnischen Flüchtlinge über den Todestreifen, aber auch professionelle Fluchthelfer, die damit viel Geld verdienten.
    Aber auch ganz andere Dinge, wie der Umgang mit den Dorfdeppen, die wie Vieh gehalten und ausgebeutet wurden. All das war weder lustig noch idyllisch. Und irgendwo hab ich die Grenze zwischen dem zusagenden und dem schamvoll zu verschweigenden gezogen. Ich bin mir alles andere als sicher, dass ich sie an der richtigen Stelle gezogen habe,
    georg hat Folgendes geschrieben:

    Das mit den sterbenden Dörfern klingt schmerzhaft.
    Aber sie sind immer schon gestorben und andere geboren worden.

    Zu dieser Betrachtungsweise kann ich mich trotz aller Nestbeschmutzung nicht durchringen. Dazu bin ich nicht der Gegend, sondern den Leuten zu verbunden. Generation um Generation geht verloren, und verliert ihre Heimat. Nicht nur meine Mutter, fast alle meine Cousins, Nichten und Neffen mussten, ja mussten und nicht wollten nach Wien.
    Im Trade-off zwischen Landschaft und Leuten, habe ich keinen Zweifel wo mein Vorzug liegt. Eine schöne Wiese ohne Menschen ist für mich genauso von Bedeutung wie eine besonders schönes Methanwolkenauge nach einem Kometeneinschlag am Jupiter. Wurscht, aber so was von wurscht.

    Die Renaturierung des Wald- und Weinviertels und nichts anderes ist der Nationalpark, die etwaige Auswilderung von Wölfen, Bären, Druden und Alligatoren erfüllt mich nicht mit Freude.

    Alles stirbt früher oder später nicht nur die Dinosaurier, auch die Menschen, nicht nur meine Ursprünge im Waldviertel. Ich kanns nicht ändern aber ich muss dem gegenüber nicht gleichgültig sein. Lieber bin ich der Landschaft gegenüber gleichgültig.

    LG

    Harry

  • irgendwer
    November 14, 2010, 12:53
    PS Und noch was zum Mechanismus der diese Gegend über Jahre entvölkert und damit zu Einöde degradiert hat. Das war nicht die Sorge und die Hege des Naturraumes.

    Jede wirtschaftliche Aktivität, die den Jungen einen Platz in ihrer Heimat hätte sichern können, wurde systematisch und wie ich meine vorsätzlich unterbunden. Jede Betriebsansiedlung jeder Existenz ausserhalb der Landwirtschaft, war aus der Sicht der bäuerlichen tiefschwarzen Bürgermeister ein Schritt der Infiltration durch die roten. Damit hatten sie sogar recht, wie man am Burgenland erkennnen kann.

    Diesen Angriff haben sie abgewehrt. Jetzt sind sie schwarz und allein, und keiner wird ihre Höfe kaufen wollen, ihre Kinder werden sie auch nicht bewirtschaften und die werden rot oder grün oder blau wäheln, eben aber in Wien. Ich hoffe die Bauerngreise werden sich nicht einsam fühlen. Und irgendeine Behmin vom Dorf über den Fluss wird ihnen schon den Arsch abwischen und den Löffel zum Mund führen, wenn ihre Kinder und Enkel nicht einmal mehr zu Weihnachten kommen. Und irgendwann werden sie halt am 1. Nov. kommen und sich an ihre Väter und Mütter erinnern, nur dass die dann davon nix mehr haben.

    LG
    Harry

  • Knud Knudsen
    November 14, 2010, 17:30
    Gekonnt und das kann nur Jemand schreiben der das Land und die Menschen liebt auch und gerade in dieser unnachahmlichen satirisch,zynischen Nestbeschmutzerattitüde,eine Spezialität östrreichidcher Mentalkomik.

    Mir fällt spontan sofort eine Gegend in Friesland oder Mecklenburg ein auf die das auch passen würde.

    Danke

    Knud
    _________

  • irgendwer
    November 14, 2010, 17:31
    knud
    Ja, das flache Land zwischen irgendwo und nirgendwo schlägt aufs Gemüt, da kann es noch so schön dort sein. Wir waren heuer in Nordfriesland. Ich fand die Leutchen ganz o.k. aber Herzlichkeit und Weltoffenheit waren Vokabel, die mir im Zusammenhang mit Ihnen genauso wenig eingefallen sind wie mit den Wein- und Waldviertlern.
    Wien ist da anders, wir sind ätzend aber tragen eine slawische Sentimentalität in uns, wie übrigens auch das völlig unpreussische Berlin.

    Mein Frau kommt aus einem hochalpinen Dorf mit ca.300 Einwohner. 1 Std Auto in jede der beiden Richtungen bis zur nächsten Stadt. Aber dennoch, gut 30 nicht landwirtschaftliche Gewerbe: Hotels, Wirten Stüberln und das obwohl es hier keinen Lift gibt. Konditorei, Molkerei, Sägewerk, Baufirma, Strassenmeisterei, Post,ein kleines Wasserkraftwerk zwei Greisler und müsste nachdenken um alles aufzuzählen. Ja noch eine Raifeissenbank, EIne Kirche, und ca. 30 Vereine - keine Übertreibung. Heimat, Musik, Feuerwehr, Frauen, Männer, Jahrgänger etc etc.
    Auch hier wird massive aus- und abgewandert. Aber noch in meiner Generation haben dort fast alle 8 Geschwister und mehr. Da muss man Platz machen und in die Ausserschweiz gehen oder zumindest ins Tal. Simplon stirbt jedenfalls nicht aus.
    WIrtschaftlich ist die Aufrechterhaltung eines Dorfes am Arsch aber auch am Dach der Welt auch dort nicht. Nicht die Schule, nicht der Postbus. Aber die Oberwalliser würden eher auf die Butter auf dem Brot verzichten, als die Landschaft zu renaturieren. Die hängen wirklich an der Scholle und sogar wenn ein Bergsturz wie im nahen Gondo ein zwei mal pro Generation 1/3 der Ortschaft begräbt, geben sie nicht auf. Und Gondo ist wahrlich nicht Zermatt, mit vielleicht gerade einmal 100 h Blick auf die Sonne durch die enge düstere Schlucht, wenn zufällig und ausnahmsweise der Himmel nicht bedeckt ist oder das Dorf in Nebel getaucht. Und das Rauschen des Wasserfalls mit Flugzeuglautstärke ist auch, sagen wir einmal gewöhnungsbedürftig.

    Das Dorf wird am Leben erhalten, mit einer Strassenmeisterei, die viel rentabler wär wenn sie im Tal stünde, mit Truppenübungen, Subventionen aller Art, Und das ist gut so.

    Der Menschenschlag ganz anders als bei uns. Verschroben, fundamentalistisch katholisch, stur aber dennoch weltoffen. Der eine oder andere spricht vielleicht sogar die Hauptsprache des Kantons, Französisch, aber fast jeder kann italienisch auch die Bauern. Das Überleben wurde über Jahrhundert nur zum geringen Teil aus der Landwirtschaft bestritten sondern mit Handel, was hier ein Euphemismus für Schmuggel ist.

    Bei uns konnt keine Sau Böhmisch, und die die's können weil sie drüben aufgewachsen sind, würden es ums Verrecken nicht reden.

    LG

    Harry

  • Der letzte Linke in Strasshof
    November 14, 2010, 20:24
    Ich bin baff, der Freddy Quinn aus Niederfladnitz. Kein Wunder, sein dauerndes Heimweh.

    Eines verstehe ich nicht, warum mag der Phettberg den Conrads nicht? Wenn der Conrads so tat, wie Phettberg berichtet, war er ja gar nicht schlimm? Er sorgte sich um die Gesundheit der Damen. Aus der Häufigkeit des Stuhlgangs und der Konsitenz der Fäces ergeben sich Rückschlüsse auf den körperlichen Zustand.

    Ein sehr lehrreicher Podcast, Heimatkunde wie sie sein soll, damit die Jugend was lernt.

  • HC Artmann
    January 20, 2012, 14:14

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