06.10.11, 20:31:40

Lieber Steve


Du wirst mir fehlen. Du hast mein Erwachsenenleben begleitet und geprägt wie kaum ein anderer. Auf Deinem ersten Gerät hab ich UCSD Pascal gelernt. Auf Deinem zweiten meine Diplomarbeit geschrieben. Auf Deinem dritten gegen den Henker Einsteins in Crystal Quest gewonnen und nebenbei ein Datenerfassungsystem für ko(s)mische Teilchen betrieben. Auf einer NeXt Workstation hat im Nebenbüro Tim Berners Lee Mosaic den ersten Web Browser geschrieben, und als er gerade zum Pinkeln war, hab ich mir darauf ein paar unbekleidete Damen auf australischen Servern angesehen. Du wirst Dich für mich geschämt haben. Von Dir war mein erster Laptop.
Von Dir sind das liebste Spielzeug meines Sohnes und meines Vaters und sogar meine Frau spielt damit und drum wird auch ihr nächste Handy von Dir sein.
Sogar unser erster Staubsauger der iSuck Newton war von Dir.
Abgesehen von Philipp Morris und der Ottakringer Brauer habe ich für kaum jemandes Produkte soviel Geld ausgegeben. Aber nur bei Deinen habe ich es nie bereut. Und so ein iPhone und vorallem die Schutzhüllen haben auch unerwartete praktische Seiten. Ja, und zum Geocachen kann man dich auch gebrauchen.
Du hast nicht nur die Welt verändert, sondern was wichtiger ist, zumindest für mich, auch mein Leben und dafür bin ich dankbar.
Du warst ein Nerd, ein Ästhet, ein Kapitalist, ein Moralist, ein sturer Hund und ein Genie. Für all das lieben wir Dich. Nach Dir kommt nix mehr. Jo es kummt nix bessas noch.
Ich hoffe auch Du hast ein iPad im Himmel oder im Nirwana mit, damit Dir dort nicht fad wird.
Ich hoffe, Du bist mir nicht böse, dass ich Deinen Nachruf gemeinsam mit dem von Dichand, Haider, Friedman, Andreas Hofer und mich selbst veröffentliche.


irgendwer
Kommentare (5)



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  • October 07, 2011, 12:45
    Ich traue keinem Reichen, auch wenn er angeblich ein Genie ist oder war. Wer Milliarden in die eigene Tasche steckt muss sehr gierig sein. Und dass elektronische Geräte glücklich machen ist noch lange nicht bewiesen. Und wenn man elektronische Geräte zum Glücklichsein braucht, sagt das nichts Gutes über die Welt in der wir leben.

  • irgendwer
    October 08, 2011, 06:55
    Ein Posting, dem man nicht mit guten Argumente wie Deinen widersprechen könnte, wäre es nicht wert ins Internet gestellt zu werden. Ich weiss nicht, ob das allgemein menschlich ist, oder meine private Soziopathie, dass ich eigentlich alles was ich sage, dazu sage um Widerspruch hervorzurufen. Würde Sprache nur der Verständigung dienen, bräuchte es ausser dem Imperativ keinen Modus. Geh hol mir ein Bier! Gib mir die Autoschlüssel! Lass mich in Ruh! etc. Indkativ wär sinnlos, weil was man damit sagt, sieht der andere ja selber, Konjunktiv sowie so, weil wen interessiert was ohnehin nicht passiert, Vergangenheit erst recht, wozu sagst Du mir etwas was schon passiert ist, und ohnehin nicht mehr zu ändern.
    Zur Frage, ob Gadgets glücklich machen, habe ich noch keine Antwort. Jobs Spielzeuge machen mir zumindest Spass, wenn schon nicht glücklich. Und irgendwas braucht man in einer automatisierten Welt, in der für uns immer weniger zu tun ist. Wir müssen keine Kohlen mehr aus dem Keller holen, weil das Gas von alleine zu uns kommt, wir müssen kein Geschirr mehr abwaschen, das tut der Spüler. Wir müssen nicht einmal mehr Einkaufen fahren, wir klicken es einfach per Amazon und sogar Billa herbei. Wir arbeite nur noch 35 Stunden im besten Fall. In Wirklichkeit tun wir nur so als arbeiteten wir. Die meisten von uns tun einen Job, der der Welt nicht abgeht. Wer ist schon Arzt oder Bauer? Alles andere ist Schmafu. Ja selbst als zeitig aufstehender und gewissenhafter Lok oder Busfahrer bringt man nur Leute, die in Wirklichkeit nix zu tun haben, dort hin wo sie nix tun, nämlich in die "Arbeit" und wieder zurück. Man würde sich besser ausschlafen, und damit Energie sparen, und die Banker, die nicht mehr zur "Arbeit" kämen, könnten dort wo sie nicht hinkommen nix anstellen.
    Seit den 60er Jahren ist unser Tag minus lebenserhaltender Tätigeit um 5-10 Stunden länger geworden. Was tun wir mit all der Zeit? Während wir in den iPad schauen, hauen wir uns wenigstens nicht gegenseitig auf den Schädel.
    Mag sein dass wir dabei verblöden. Aber wozu sollten wir eigentlich noch schlau sein? Wenn Roboterlein für uns arbeiten? Es reicht schlau genug zu sein das iPad zu bedienen, sich bei Billa und Amazon und Beate Uhse das bestellen zu können was man braucht. Alles darüber hinaus ist Luxus, macht nachdenklich, depressiv und in letzter Konsequenz agressiv.
    Dem Kapital gegenüber misstrauisch zu sein, ist in der Tat Bürgerpflicht. Sich nicht ausbeuten lassen, und nicht zulassen das andere ausgebeutet werden. Schmähohne, dafür steh auch ich. Aber was ist eine effektivere Art der Ausbeutungsverweigerung als mit iPads zu spielen? Nix zu arbeiten!. Wer will einen da noch ausbeuten?
    Jobs hatte da keinen guten Ruf mit seinen chinesischen Selbstmordkasernen. Aber irgendwann hat jeder so ein Gadget, irgendwann sind alle Apps geschrieben von kleinen chinesischen und indischen Kindersklaven. Und dann, ja vielleicht dann, dürfen auch die sich so ein Teil mit nach hause nehmen, damit auch sie bei Toys´r'Us das bestellen können, was sie brauchen oder wollen.
    Vielleicht ist Jobs Brave New World am Ende doch nicht so schlecht. Auch wenn´s noch ein weiter Weg dort hin ist.

  • October 08, 2011, 09:09
    Die sinnlosen Arbeiten sehe ich auch. Daher halte ich viel vom "homo ludens" http://de.wikipedia.org/wiki/Homo_ludens. Es ist weiters bezeichnend, dass die Engländer ihren Konflikt mit Russland als "great game" sahen http://de.wikipedia.org/wiki/The_Great_Game.

    Das Spielen ist vielleicht die einzig sinnvolle Tätigkeit, aber eben das Spielen miteinander und nicht das Spielen gegen ein elektronisches Gerät.

    Es scheint mir jedoch ziel-führend, irgendwelche Geräte (ob elektronisch oder mechanisch) zum Miteinander-Spielen einzusetzen. In diesem Sinn wäre ein "multi user game" mit "iPod touch Geräten" über das Internet brauchbar. Auf jeden Fall besser als das Spielen mit den Nato Schiffen und Nato Flugzeugen im Libyen-Spiel.

  • irgendwer
    October 08, 2011, 11:09
    Bin Deinem Rat gefolgt. War gerade mit dem Sohnemann im Apple Store. Wir haben uns kurz zwei iPhones abgegriffen und sind gegeneinander über WiFi Autorennen gefahren. War lustig, wenn schon nicht lehrreich und wir hatten Spass miteinander. Dann noch schnell ein paar Photos mit der Front Camera geschossen und dem Opa in Wien auf sein iPad gebeamt.
    Wir zwei beide tauschen gerade auf dem elektronischen Klumpat Nachrichten. Davon machen wir die Welt zwar auch nicht besser, wir richten aber beide zumindest im Moment keinen größeren Schaden an. Technik ist so gut wie man sie gebraucht.
    Und wer weiss, vielleicht liest ja auch sonst wer irgendwann unseren Aufruf zum Müssiggang und der Kapitalismus geht daran doch noch zugrunde.

    In diesem Sinne ein schönes Wochenende

  • mf
    January 13, 2012, 13:33
    Danke für den angemessenen Nachruf...
    Ich erfreue mich auch an den wunderbaren Bereicherungen mit denen Jobs/Apple die Welt verschönert.

    Anderes Thema: Ich vermisse die anregenden Podcasts von Lautkoffer

    Matthias

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