26.06.10, 22:13:20

Biolandbau ist Völkermord


Dieser Titel mag Ihnen provokativ erscheinen. Ist er wahrscheinlich auch. Nur machen Sie nicht den Fehler, nur weil Sie schon einige mehr oder minder lustige, satirische Beitrage in diesem Blog und Podcast gelesen oder gehört haben, zu meinen, das wäre Satire. Nein, ich meine es, so wie ich es sage: Biolandbau ist Völkermord, und ich bleibe den Beweis nicht schuldig.
In Österreich wurden im Jahre 2008 140.000 t Brotgetreide im Biolandbau hergestellt. Davon fanden vermutlich ein höchstens zwei tausend Bauernfamilien ein eher karges Auskommen. Das mögen viele erscheinen, wie wir aber gleich sehen werden, sind sie das nicht, im Vergleich zur Zahl deren Opfer. Ja, Opfer und gar nicht nur so möglicherweise Todesopfer.
Auf der gleichen Fläche hätte man im konventionellen Landbau 70.000 t Brotgetreide mehr produziert. Das sind in etwa der Jahreskaloriebedarf von einer viertel Million Menschen, irgendwo weit weg, vermutlich in Afrika. Entweder haben die sich im Jahr 2008 von Kaviar ernährt, oder was wahrscheinlicher ist, sie sind verhungert. Wir erinnern uns: es waren ein, vielleicht zwei tausend Biobauern.
In Österreich wurden im Jahr 2008 ca, 2.000.000 t Brotgetreide im konventionellen Landbau produziert. Hätte man auf der selben Fläche im biologischen Landbau gearbeitet, wären es 700.000 t weniger gewesen. Vermutlich noch weniger, weil im großflächigen Bioanbau die Anbaufläche nicht mehr von der Kollateraldüngung und kollateralen Pestizid und Herbizidspritzung der umliegenden konventionellen Anbauflächen Nutzen gezogen hätte.
Das wäre die Jahreskalorieration von zweieinhalb Millionen Menschen. Die müssten Kaviar essen oder verhungern.
Bioanbau ist zutiefst unmoralisch. Solange ein einziger Mensch auf dieser Welt irgendwo verhungert und sei es in Afrika, kann er seinen Tod den freundlichen Damen und Herrn anrechnen, die im Supermarkt am Biostand oder beim Reformhaus nicht an sich halten können.
Machen Sie das deshalb nicht. Sparen Sie sich das Geld für den überteuerten, minderwertigen, verschrumpelten Bioscheiß und spenden Sie es der Welthungerhilfe. Sie helfen doppelt: Mit dem Geld und dem Brot, das Sie nicht verschwenden.
Wenn Sie aber ein unverbesserlicher ökölogischer Philanthrop sind, dann hören Sie auf Al Gore, Sigmar Gabriel und die anderen Obergutmenschen und tanken Sie nur noch Biosprit. Wenn Sie einen Arbeitsweg von 10 km haben, verbrennen Sie damit auf dem Hinweg das tägliche Brot von 2 Kindern und am Rückweg das Brot von noch zwei ihrer noch verbliebenen Geschwisterchen.
Oder aber: Hören Sie einfach nicht auf mich. Seien Sie einfach lieb zu Tieren. Denken oder gar Rechnen, ist nix für Philanthropen. Es kommt nicht darauf an, gut zu sein, Hauptsache man fühlt sich gut.
Wenn Ihnen fad ist und Sie dennoch rechnen wollen, dann finden Sie hier die Daten und auch hier. Wenn Sie das Pech haben Deutscher zu sein und dennoch meinen Blog zu lesen, dann multiplizieren Sie die Opfer einfach mit 10. Ihr seid 10 mal soviel wie wir.

Erläuterung:

Ein Erwachsener braucht am Tag ca. 2.000-2.500 Kcal, Getreide hat zwischen 3000-4000 Kcal pro Kg. Der Bedarf liegt somit bei - ca 800g Brotgetreide pro Tag - oder ca. 300 kg Getreide pro Jahr.

Zitat aus Wikipedia zu Fritz Haber:

 Die Weltjahresproduktion von synthetisiertem Stickstoffdünger beträgt derzeit mehr als 100 Millionen Tonnen. Ohne das diese Produktion ermöglichende Haber-Bosch-Verfahren entfiele für eine Hälfte der derzeitigen Weltbevölkerung die Ernährungsbasis.[8]

PS:Wenn Sie geizig sind und der Welthungerhilfe nix spenden wollen, schicken Sie einfach einen Link auf diese Seite per e-mail an alle Ihre Bekannten. Vielleicht spenden die für Sie und hören mit dem blödsinnigen Reformhausunsinn auf und dem Biodiesel.
Der Großteil der untigen Kommentar auf diesen Artikel kommen aus meinen Lieblingsforen
Zeitwort.at und literaturforum.or.at. Die mir gegenüber dort walten gelassene Toleranz, weiß ich mehr als nur zu schätzen.

irgendwer
Kommentare (11)



RSS Kommentare

  • Conrad Strom
    June 27, 2010, 11:59
    Jedes Land, jedes Volk und damit jeder Mensch ist verantwortlich für seine Umwelt, damit auch die Nachkommen eine bewohnbare und bewirtschaftbare Erde vorfinden. Daher Biolandbau, damit das Ackerland nicht langsam verbraucht sondern bewahrt wird.

    Ich fühle mich nicht zuständig für die Ernährung von Indien, Afrika oder sonstigen Gegenden, das dürfen die Leute dort selber richtig machen, so wie wir es bei uns richtig machen müssen.

    Die Lösung eines Problems beginnt im 5 Kilometer Umkreis eines jeden Menschen. Wenn der Einzelne dort versagt, geht es schief.

    Also, wir retten uns und die Inder, Afrikaner, ... retten sich. Daher machen wir Biolandbau und die machen dort was sie für richtig halten. Wenn sich dort kein Biolandbau ausgeht, haben die dort ein Problem und nicht wir hier.

  • Irg Endwer
    June 27, 2010, 12:24
    gern würde ich dir recht geben. Auch ich schätze die Vorzüge einer regionalen Welt, kantonal und und kretzlweis. Aber leider hat die Globalisierung mehr als die Kolonialisierung diesen Weg momentan versperrt. Globale Märkte mit globalen Preisen auch für Getreide sind nun mal ein Fakt. Noch in den 80er waren die Getreidepreise regional. In Indien kostete Reis weniger als bei uns. Wenn heute Reis in Indien weniger kostete als bei uns, würde man ihn zu uns karren.
    Wenn wir bereit sind für Bioschmuß und Biodiesel viel auszugeben, werden sie ihn in absehbarer Zeit in Indien produzieren und zu uns karren. Sie werden ihn auf dem Boden produzieren der zum Füttern der dortigen Kinder da wäre. Und dann - nicht ohne moralische Rechtfertigung - werden diese Kinder zu uns kommen. Machen Sie schon.
    Ich weiß, dass mein Ton extrem polemisch war, aber ich wollte eine auch heftige Reaktion hervorrufen.
    Letztendlich geht es um eine philosophische Frage. Was ist wichtiger? Wir oder die Natur? Auf philosophische Fragen gibt es keine Antworten, zumindest keine logischen - auch Logik ist nur eine Philosophie sondern nur eine religiöse
    Seid fruchtbar und mehret Euch und füllet die Erde und machet Sie Euch Untertan.

  • Joit&Irgendwer
    June 27, 2010, 22:30
    Redaktionelle Anmerkung von Irgendwer: wenn ihr auf den Nick klickt findet ihr einen sehr guten Kommentar in einem meiner Lieblingsforen. Zeitwort.at
    Natürlich musste ich auch dort noch meinen Kren dazu geben! Das konnte ich nicht lassen

  • Detmar
    June 28, 2010, 07:56
    Ganz so einfach ist die Sache dann leider doch nicht. Wie so viele andere Dinge im Leben muss auch hier sehr viel weiter und um ein paar Ecken mehr herum gedacht werden. Als kleine Anregung zum Nachdenken nur soviel:

    Die Landwirtschaft in Europa steht dank Globalisierung und politisch forcierter Liberalisierung im direkten Wettbewerb mit Erzeugerländern wie China, Indien, Neuseeland und ganz Südamerika. Diese haben nicht nur wegen des niedrigeren Lohnniveaus sehr viel geringere Produktionskosten als europäische Landwirte. Diese Faktoren vermögen nicht einmal die relativ hohen Subventionen aus Brüssel auszugleichen, die eh in den nächsten Jahren weiter abschmelzen werden. Die Kassen sind eben überall leer.
    Europa ist demnach faktisch nicht in der Lage, mit Schwellenländern, in denen die Produktion aktuell ausgeweitet wird, zu konkurrieren. Um ein Überleben hiesiger Landwirtschaft zu ermöglichen wird vermehrt auf die Bioschiene gesetzt, die eine etwas höhere Wertschöpfung erzielen lässt. Würde man nicht so verfahren, die europäische Landwirtschaft würde sich nicht lange halten können. Und dann würden noch sehr viel weniger Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Es würden noch mehr Menschen hungern müssen. Abgesehen von den volkswirtschaftlichen Schäden in den europäischen Ländern.

    Beispiel Milch, kurz angerissen: in einigen EU-Ländern wird derzeit die Milchproduktion angekurbelt, um im internationalen Wettbewerb standzuhalten. Was überhaupt nicht möglich ist, angesichts der wesentlich höheren Kosten hierzulande, die auch nicht entsprechend deutlich gesenkt werden können. Durch das Mehr an Milch sinkt der Erzeugerpreis (incl. der staatlichen Subventionen) unter die Erzeugungskosten. Die landwirtschaftliche Milchproduktion ist nur noch ein Roulettespiel, wer am längsten durchhält und wer noch zusätzliche staatliche Gelder locker machen kann. Wirtschaftlich ist das alles nicht mehr. Die Industrie allerdings sahnt die Gewinne ab, da sie ebenfalls staatliche Gelder bekommt, um das Zuviel an Milch mit gestützten Preisen in Schwellen- und Drittweltländer zu verbringen. Was deren heimische Produktion zum Erliegen bringt. Und unsere EU-Milch können sich die Menschen dort immer noch nicht leisten. Ein staatlich und industriell gelenkter Wahnsinn. Da braucht man sich nicht wundern, dass die Landwirte jede noch so kleine Nische für sich nutzen wollen. Man kann es ihnen nicht verwehren.

    Gruß,
    Detmar

  • Irg Endwer
    June 28, 2010, 14:24
    In der Landwirtschaft, gilt weder in Europa noch in den USA die Marktwirtschaft, nicht einmal ansatzweise. Arbeitskraft und ihre Kosten spielen in der Landwirtschaft überhaupt keine Rolle.
    Um in Österreich ein eher karges Auskommen zu erzielen braucht man als Viehbauer 40-50 Ha. Die kosten auch am Arsch der Welt, auch dem aus ich komme, schon locker vom Hocker mehr als 1 Million Euro. Dann noch mal ne Million für Ställe, Maschinien etc. sind schon 2.
    Herr Ackermann verspricht glaubhaft dass man am Kapitalmarkt locker vom Hocker 10% Kapitalertrag p.a. über Inflation produzieren kann ohne in der Früh und am Abend 365 Tage im Jahr zu melken. Nein die 365 Tage ist man auf den Bahamas. Haben auch kaum Einkommenssteuer dort. Und wenn es nur 5% sind, sind das bei 2 Millionen Kapital 100.000 ? im Jahr. Welcher Bauer verdient so viel im Jahr von 50 ha ohne Subventionen? Oder auch mit?

    Die Bauern leben nicht von den Preisen ihrer Produkte, sondern den Subventionen der Staaten.
    Es sind die Dritte-Welt-Länder die nicht konkurrenzfähig sind, weil sie keine Subventionen erhalten, nicht so maschinisiert sind und keinen gleichwertigen Zugang zu Kunstdüngern, Herbiziden und Pestiziden haben. Deswegen verhungern dort die Leute und nicht bei uns und auch nicht die Bauern.

    Wenn in Europa und speziell in Österreich die Zahl der Bauern sinkt, ist das ein auf wenige tausende Familien beschränktes Phänomen. Traurig aber handhabbar. Sie könnten ihre Höfe verkaufen und vom Erlös und den Zinsen 1000 Jahre lang leben, z.B auf den Bahamas. Und nachher schauen wir dann. Unmittelbare Notlage schaut anders aus.

    Jedenfalls um ein vielfaches geringer als die Verluste im Handwerk und der Dienstleistung, durch Rationalisierung, Zuzug aus östlichen EU und anderen Ländern. Immigranten werden zumindest nicht Bauern.

    Wenn in der dritten Welt hunderte Millionen Bauern in die Stadt flüchten ist das aber eine Tragödie nicht nur für sie sondern für Milliarden für die kein Essen mehr produziert wird.

    Gerade im Bioanbau können wir nicht subventionsfrei mit der dritten Welt mithalten. Weil das ist bewusster Low-Tech. Mangels Herbiziden, Unkraut ausrupfen kann man auch ohne Landwirtschaftsmatura und Boku Abschluss warum also nicht in Indien. Wenn wir hier im dekandenten Westen für Bio teuer zahlen, dann werden wir bald Bio aus Indien haben. Die können sich Dünger ohnehin nicht leisten. In einem globalen Markt gibt es seit ca. 15 Jahre globale Preise. Reis ist in Südostasien genauso teuer wie bei uns. Wenn wir jetzt aus einem Spleen heraus für minderwertige Ware viel Geld ausgeben, kommt die früher oder später auch aus der dritten Welt. Denn wie ein jeder Gutsituierte weiss, der schlechteste Handel ist besser als die beste Arbeit, zumal am Feld unter der Sonne.

    Aufgrund der unvergleichlich schlechteren Qualität von Bioprodukten, sind sie derzeit über längere Strecken nicht so transportgeeignet. Aber auch da fällt uns und den Lebensmittelbiokonzernen noch was ein. Einfach vor dem Transport und wenn's sein muss während des Transport hart mit Röngtenstrahlen bestrahlen. Ist nicht nachzuweisen, und auch nicht schädlich, wirklich nicht. Die Kartoffel schauen danach immer noch genauso schön schrumpelig und unappettlich aus wie vom Biobauern ums Eck. Wenn die Biopampe nur teuer genug wird zahlt sich das schon aus.

    Die Story mit der Milch ist Geschichte. Deren Preis wird ins Unendliche steigen. Weder in Indien noch in China gibt es die Möglichkeit ausreichend Rinder zu halten. Aus klimatologischen Gründen, in Indien auch aus kulturellen. Heilige Kühe sind zwar nett, man darf die Milich auch trinken. Nur so ein Riesenviech, dass man anbeten muss und nicht essen und nicht einmal umbringen darf für ein paar Liter Milch am Tag? Kauft man halt die Milch bei uns.

    Die paar Prozent reicher Chinesen und Inder werden den hiesigen Milchbauer schon bald goldene Nase bescheren. Und einmal mehr mach ich mir keine Sorgen um die. Müssen halt nur aufpassen von Raiffeisen nicht über den Tisch gezogen zu werden im globalen Biomarkt.

  • Beitrag von ASY aus zeitwort.at
    June 28, 2010, 19:58
    Dankenswerter Beitrag

  • Fritz Haber
    June 28, 2010, 20:04
    Trotz meiner Initial-Polemik doch noch ein netter Thread. Mit viel interessantem. Auch ich danke für das Jean Ziegler Interview. Ein blitzgescheiter Mensch mit Moral. Das genaue Gegenteil von Gore. Letzterer: Keine Ahnung von Wissenschaft, und das einzige was er machen möchte ist es neue Finanzprodukte namens Emmissionzertifikate einführen. Natürlich handelbar. Jetzt wo Aktien, Optionen und sogar Euro und Dollar wieder zu dem werden, was sie eigentlich sind, nämlich Papierfetzten Und dafür fälscht man schon mal vorsätzlich und bewusst die Klimadaten. Meine Erwähnung Gores war ironisch gemeint. Wem fad ist, der kann sich ja einmal eine ebenso historische wie aktuelle Aufnahme aus meinem Archiv anhören.

    Persönlich bin ich kein Biofreund. Ich bin in den 60ern auch am Land aufgewachsen. Das Essen, das wir damals produzierten schmeckte nicht nur scheisse es war auch ungesund. Schmalz in allen Variationen. "Gemüse" im Winter nur Erdäpfel und Sauerkraut. Kriegte man wenigstens kein Skorbut. Hauptproteinquelle wurmstichiges Obst. Nein, darauf hab ich keinen Bock mehr, Eier aus Prinzip verschissen, weil Waschstrasse viel zu teuer. Legebatterien gabs schon damals. 30% der verschiessenen Eier ohne Schale gingen an die Wirten in Wien. Wenn man das Schnitzel in heissem ranzigem Schmalz-Fett bruzelt, müssen sogar die Salmonellen und Trichinen kotzen und werden abgetötet, meistens, hoffentlich.

    Die Industrie auch die Lebensmittelindustrie arbeitet für ihren Gewinn. Kein ideales Modell vielleicht, auch ich bin kein Kapitalismusfan. Aber schließlich tun das alle, auch die Biobauern in der Steiermark, die Mohnbauern im Waldviertel und sogar die am Hindukusch und die Kokabauern in Boliven. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es im Lebensmittelbereich einen enormen Fortschritt gegeben hat. Vom Saatgut über Röngtensterilisation von Gemüse und Obst bis zur Tiefkühlkost. Ertragssteigerung seit dem zweiten Weltkrieg ein Faktor zwei. Nein ich möchte das alles genauso wenig missen wie den Eiskasten. Ich möchte nicht zurück zum Pöckelfleisch und geselchtem. Kann ja mal ein nostalgisches Gefühl sein, aber bitte nicht jeden Tag.

    Ich bin ein begnadeter Nichtkoch und habe mich in den 80er ledig erstmals fern von Mamas Herd jahrelang mit Fertiggerichten aus dem damaligen Supermarkt ernährt. Igitt igitt. Wenn ich heute einmal strohwitwern muss, finde ich immer was leiwandes im Supermarkttiefkühlregal. Schmeckt, sieht knackig aus. Leute das ist Fortschritt.

    Unser Essen, erzeugt höheren Ertrag auf gleicher Fläche, schmeckt nicht nur besser, dank Kühlschrank, Stickstoff, Pesti- und Herbizden, es ist auch gesünder, hygienischer und frischer. Ich bin um 7cm grösser als mein Vater, Onkel und Grossvater. Mein Sohn wird 10 cm grösser als ich werden und seine Mutter ist keine Riesin und keiner in ihrer Familie. Und weder sie noch ich haben je Hunger gelitten. So schlecht ist das Zeugs nicht. Nur zu gut, deshalb frisst man zu viel und wird fett.

    In einer Welt, in der es seit kurzem auf Grund globaler Lebensmittelmärkte, Biobrennstoffen und hohen Erdölpreisen wieder vermehrt Hungersnöte gibt, ist zurück zu Bio zurück vor Haber-Bosch dezidiert der falsche Weg. Überproduktion bei Essen ist was wünschenswertes. Regionalisierung und strikte Regulierung der Märkte von mir aus auch mit Subventionen, mit verschiedenen Preisen in verschiedenen Teilen der Welt. Lebensmittelimportverbote aus Hungerländern. Was Jean Ziegler über freie Märkte sagt könnte richtiger nicht sein. Freiheit ist eben nicht Liberalismus, ganz im Gegenteil.

    Wer jetzt noch nicht gesehen hat, dass die Globalisierung vollkommen gescheitert ist, der schnallts nimmer, und spricht morgen chinesisch.

    Schönen Abend

  • DIskussion von woanders her
    June 28, 2010, 20:20
    georg
    Schreibaufgaben-Meister
    Servus, Qualki.
    Das ist lustig, die scheinheilig ernste "Beweisführung" echt gut aufgebaut. Nur eines hätt ich auszusetzen: der Biotreibstoff, der ist wirklich ein Unfug, macht viel mehr Schaden als Nutzen.

    _________________
    In jedem Scherz steckt ein Körnchen Ernsthaftigkeit
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    qualcunouno
    Verfasst am: 27.06.2010, 11:00 Titel:
    Wieder einmal gab es einen Grund nicht im Satireforum zu posten. Die Argumentation mag zwar scheinheilig sein - ja ich fresse immer noch Schnitzel und an und ab auch Kaviar - aber ist sie deswegen auch falsch?

    Bei aller Technik ist die Zahl der Menschen auf der Erde immer noch durch den Ernteertrag bestimmt. Wären wir weniger ging es der Natur besser. Aber was ist wichtiger? Die Natur oder wir? Ein wahrhaft philosophische Frage. Wie alle philosophischen Fragen eine ohne Antwort, zumindest ohne philosophische Antwort.
    Eine religöse gäbe es schon:
    Zitat:
    Seid fruchtbar und mehret Euch und füllet die Erde und machet Sie euch Untertan

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    georg
    Schreibaufgaben-Meister
    Verfasst am: 27.06.2010, 12:43 Ich würde sagen, sie ist falsch genug, die Argumentation. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
    Was ist das für ein Leben, wenn man noch mehr kleine Menschenkinder mit massenhaft Kohlehydraten, die in unregelmäßigen Abständen vom hochproduktiven Westen geliefert werden, so weit vollstopft, dass sie auf eine slumlebenserwartung kommen, die dann eh nur irgendwas sagma 40% von der westlichen beträgt. In der Bibel steht viel, das man heute durch andere Augengläser sehen kann und vlt. soll. Oder nicht wörtlich nehmen.
    Ich kann die Sache nur satirisch brauchen.
    Der Auftrag von irgendeiner Vorsehung an die Menschen ist in meiner Sicht nicht jener, diesen Planeten vollzustopfen, sondern die Evolution weiterzuführen.
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    In jedem Scherz steckt ein Körnchen Ernsthaftigkeit
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    qualcunouno
    Wort
    Verfasst am: 27.06.2010, 15:03
    @georg
    Ich kann gut damit leben, dass Du und vielleicht auch andere es wenigstens satirisch brauchen können. Ich hab in der Sache, trotz der Heftigkeit, nicht wirklich eine starke Message, jedenfalls mehr Zweifel als Message. Wenn es nachdenkenswert ist, ist es mehr als die meisten meiner Texterl in Anspruch nehmen können und wollen. Die Heftigkeit sollte zur Reaktion aufstacheln, gegen den Text selbst, aber auch gegen die eigenen fest eingefahrenen Überzeugungen.
    Wenn ich sag, ich habe keine andere als eine religiöse Antwort, dann mein ich, dass ich eigentlich keine Antwort habe. Weil religiös im eigentlichen Sinne bin ich nicht.
    Vielleicht nur grad so viel, dass ich mit dem menschenzentirierte Bild des Christentums mehr anfangen kann, als mit Animismus.
    Aber letztendlich heisst auch das nicht, dass das eine richtiger ist als das anderes. Was schert sich das Universum schon um meine Meinung.
    Zu dem Thema hat mich wahrscheinlich auch der kürzlich gesehene Film Avatar irgendwie inspiriert. Der Film ist für ein Technikfreak wie mich nicht nur optisch schön, ja ästhetisch, sondern befasst sich auf naive Weise auch mit diesem Thema. Aber immerhin ernsthaft genug, als dass ich den Film auch in die Kategorie nachdenkenswert einreihen würde.
    Ich wünsch Dir einen schönen Sonntag. Hier in Deutschlandia fängt im Nachbargarten bei Kaiserwetter das Public Viewing D-GB mit Grillwürstchen und Freibier an und lenkt von den wirklich wichtigen Fragen ab. Ist aber nicht so schlimm, das mit der Ablenkung: Man würde ohnehin keine Antworten finden. Ausser vielleicht 42 http://de.wikipedia.org/wiki/42_(Antwort)
    Liebe Grüsse
    Harry
    Nach oben
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    georg
    Schreibaufgaben-Meister
    Verfasst am: 27.06.2010, 19:21 Nein, lieber Harry, das Universum schert sich zwar einen Dreck, aber einen ungeheuer großen Dreck um deine/unsere Meinung.
    Dieser Riesendreck heißt Materie plus Evolutionsprinzip.
    Und das Universum will sich indem es den Menschen hervorbrachte - nein, besser - die Kette deren eines ihrer Glieder die Menschheit ist, aus dem Unbeatwortbaren herausmanovrieren in die große Antwort.
    Der Gott, der seinem Volk sagte mehret euch und beherrscht die Erde hat damit gemeint (aber es schlauerweise nicht offengesagt) - treibt Wissenschaft und Technik und bildet euch ein, es sei zu eurem Wohle oder definiert euer Wohl entsprechend (das ist einerlei) - und schafft damit die evolutionär nächste species, dann dürft und müsst ihr ohnehin abtreten.

    trotz dieser wenig erbaulichen perspektive ... schönen restsonntag!

    Und sag einmal ... was ist das für eine sportart , dieses public viewing, von der du da erzählst und für die sich viele deutsche zu interessieren scheinen?


    lg
    georg
    _________________
    In jedem Scherz steckt ein Körnchen Ernsthaftigkeit
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    qualcunouno
    Verfasst am: 27.06.2010, 23:10 Titel:
    Public Viewing heisst einfach eine Leinwand strassenseitig in den Garten zu stellen, gratis Bier zu verteilen und im Rudel zuschauen wie die Engländer 4:1 verlieren.
    Ich bin zwar kein Fussballfan, aber sowas lässt schon Freude aufkommen. Ich hasse Engländer. Leider muss ich mit denen in der Bude zuhauf hackln. Ich freu mich schon auf morgen es ihnen reinzudrücken. Vor allem ihr zweites (Nicht)Tor. War doch klar daneben,
    Deine Verfeinerung der Lehre Darwins könnte zwar stimmen, aber sie entzückt mich wirklich nicht. Sie erlaubt im Gegensatz zum Original wenigsten einen freien Willen und damit Moral. Ich muss alledings nicht unbedingt eine neue Rasse Übermenschen schaffen. Mir reicht es schon, wenn meine Kinder ein paar ebenso amüsante Jährchen hier verbringen dürfen wie ich. Über ENkerl würd ich mich noch freuen. ABer das ist schon Luxus, eigentlich schon die Sorge meiner Kinder. Dem Universum vor dem Weltuntergang von Generation zu Generation ein Leben abringen und von der Schaufel springen vor dem Weltuntergang. Mehr kann ich nicht erreichen, weil ich im Gegensatz zu Haber, aber auch Flemming, nicht einmal ein Steve Jobs und kein Genie bin und eine Lebensgrundlage oder wenigstens einen heiteren Zeitvertreib für Milliarden schaffen kann, Mehr will ich nicht erreichen. Wenn´s nicht sein muss, möchte ich während ich Public Viewe, Bier trinke, mit dem Ipod meiner Frau im Internet surfe, meine ehelichen und elterlichen Pflichten und Freuden erledige und konsumiere, nicht ein paar andere von der Erdscheiben ins Nichts oder die Unterwelt schubsen. Dafür verzichte ich schon einmal auf ein Bioschnitzel,
    Aber auch dass deine Theorie stimmen könnte, beeindruckt mich seit geraumer Zeit kaum. Die Qualität einer Theorie liegt nicht darin, dass sie stimmt oder auch nicht, sondern darin, dass die Menschen mit ihr besser und glücklicher werden. Wahrscheinlich wiederhole ich mich hier im Forum:
    Aber was macht glücklicher und moralischer? Zu glauben man wäre im Zentrum des Universums und der Aufmerksamkeit des Herrns, oder zu wissen, man düst auf einem Korn Biomüll gemeinsam mit anderen Dreckshaufen um einen riesen Feuerball, der früher oder später explodiert und sich in einer Galaxis um ein schwarzes Arschloch dreht und die Galaxis....
    Irgendwie war die Kirche zu Galileo zu freundlich. Wenn interessiert´s, dass er recht hatte?
    Schöne Woche wünsche ich Dir und den anderen die mitgelesen haben mögen
    Harry aus München

  • Bio-Liebhaber
    September 26, 2010, 11:15
    Interessanter Ansatz, aber leider eine einseitige Argumentation, die nicht zu Ende gedacht wurde. Ist tatsächlich der Anbau von Bioprodukten Schuld an der Hungermisere? Nein, natürlich nicht, denn was sie hier (vermutlich bewusst) außer Acht ließen ist folgendes: Trotz der hohen Bioproduktion werfen die Menschen in der sogenannten "1. Welt" immer noch rund 50% der Nahrungs- und Lebensmittel einfach weg, Überproduktion lautet heißt das Zauberwort. Das könnte man als reinen Zynismus auffassen, da produzieren wir in der 1. Welt genug um die ganze Welt zu ernähren, lassen aber dennoch die halbe Welt hungern während wir im Überfluss leben. Bio würde uns da immerhin in einem besseren Licht dastehen lassen, wir würden weniger wegwerfen...
    Übrigens wird in der "3. Welt" fast ausschließlich Bio gegessen ;)

  • irgendwer
    September 26, 2010, 18:10
    Lieber Liebhaber,
    ich hoffe du schaust auf meiner Seite nochmals vorbei und liest was ich im folgenden schreibe:
    Danke für Deinen ausgewogenen und vernünftigen Kommentar auf meinen bewußt ja vorsätzlich unangemessenen und polemischen Artikel.
    Wenn man das Thema aber vernünftig und angemessen schreibt, liest kein Schwein bis zum Ende. Noch nie hatte ich soviele Treffer und Kommentare in meinem Blog, wie auf diesen Artikel. Mein kleiner, schmutziger Trick hat also funktioniert. Denn wenn man so eine der positivstbelegten Figuren im süddeutschen und österreichischen Raum angreift, denn Biobauern, die Identifikationsfigur schlecht hin und weg, von grün bis auch ganz anders wo, dann ist man sich sicher Aufsehen zu erregen.
    Nimm zu Beispiel ein anderes unangreifbares Cliche. Stell Dir vor ein Trottel erfindet einen Wettbewerb, bei dem der gewinnt der den Kopf am längsten in einen Kübel Wasser steckt. Alle würden sagen was für ein Trottel. Wenn der selbe Trottel sich aber die Lederhosen anzieht, sich einen Rauschebart wachsen lässt, kerniges Tirolerisch redet, und statt den Kopf bis zur Bewusstlosigkeit in den Kübel zu stecken sich wochenlang bei -40° Grad in unmenschlich sauerstoffarmer Luft herum treibt bis er den Yeti sieht, ja dann ist er ein Held, ja Heiliger, seis noch so gesundheitsschädlich, unverantwortlich und unrechtfertigbar doof.
    Gut ich hätte auch Mutter Teresa und Lady Di angreifen können oder den Weihnachtsmann, aber dann hätte jeder geglaubt, ich wär ironisch, aber ironisch gemeint hab ich es auch wieder nicht.

    Der Biolandbau ist in der Tat nicht so schlimm, weil eine völlige Randerscheinung. Selbst in hochindustrialisierten Ländern wie meiner Heimat beschränkt er sich auf sehr kleine und vorallem so oder so ertragsarme Böden.

    In der dritten Welt wird er nicht so wie hier aus radikal-chic Gutmenschlichkeit - also als Religionsersatz betrieben, sondern aus Mangel an Geld für Dünger und
    Pesti- und Herbizide betrieben. Ja und dort verhungern dann Leute in der Tat am Biolandbau. Aber bei denen ist es nicht eine Pseudoreligion, und Esotorikschmuss, die können sich nix anderes als Biolandbau leisten, die haben keine Wahl, egal was ich ins Internet oder den Wald rufe. Die habe ich nicht gemeint und sie haben mich mangels Internetanschluß auch nicht gehört.
    Fakt ist aber, hätte Fritz Haber nicht die Stickstofferzeugung aus der Luft vor nunmehr ca. 100 Jahren erfunden wären unsere Erträge ein Drittel dessen was sie jetzt sind. Und so polemisch das klingen mag, wer Biolandbau global flächendeckend verlangt, zurück vor Haber, macht sich des Völkermordes schuldig so hoch ist unser Überschuss auch nicht. Und soviel Lederhosen und Dirndltragen wie er oder sie will, er oder sie kommt nicht von der Schaufel des Völkermordes.

    Die wahren Verantwortlichen für die heutigen Hungersnöte sind aber die globalen Grünen wie AL Gore, die auf Biobrennstoff setzen. Biobrennstoff ist "gut" weil er bei der nächsten Ernte das verbrannte C02 wieder aus der Luft holt. Milchmädchenrechnung:

    Aber selbst wenn wir alle nachwachsenden Biokohlehydrate in den Tank stecken würden und nicht essen, würde das nur 10% unseres Energiebedarfs decken.Also völlig zwecklos.
    Vorallem in Lateinamerika baut man Mais zur Alkoholidherstellung, und dieser Mais fehlt dort tatsächlich auf irgendjemandes Teller. Die Chinesen kaufen die landwirtschaftlichen Flächen in Afrika auch nicht aus Menschnenliebe. Raps könnte man zwar nicht essen, abe man könnte dort wo Raps wächst, was nützlicheres anbauen.

    Alles was ich wollte, war die Menschen ein bisschen zu warnen, dass man mit den besten Vorsätzen die grössten Katastrophen verursachen kann. Schlimmer als die, die Böses tun sind nur die, die Gutes wollen.

  • klaus maier
    July 01, 2011, 15:26
    google eingeben: haitis neolberale pleite------reis war spottbillig,dank freihandel massenhaft nach haiti eingeführt. heimische reisbauern mußten dichtmachen.jahre später: reis muß sauteuer geworden,importiert werden , weil es keine heimische reisproduktion mehr gibt.

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